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Methode: Entscheidungskompetenz
95 % unserer Entscheidungen trifft das Bauchgefühl — oft bevor der Verlauf überhaupt erwacht. Die 10-10-10-Methode von Suzy Welch dehnt den Zeithorizont auf drei Stufen und holt den Verstand zurück ans Steuer.
Kennst Du das? Eine Entscheidung steht an, Dein Bauch sagt „Zu!“ — und drei Monate später fragst Du Dich, warum Du eigentlich niemanden mehr gefragt hast. Nicht mal Dich selbst. Genau hier setzt die 10-10-10-Methode an. Sie ist kein Wundermittel, aber ein bemerkenswert wirksames Werkzeug, um schwierige Entscheidungen schnell, einfach und gründlich zu durchdenken.
Woher kommt die Methode
Erfunden hat sie die US-amerikanische Wirtschaftsjournalistin Suzy Welch. Ihre Idee, veröffentlicht 2009, ist so schlicht wie kraftvoll: Bevor Du entscheidest, begib Dich auf eine kurze Zeitreise. Stell Dir drei Fragen — und schon verlässt Du das Schnellschussverfahren Deines Gehirns.
Die drei Fragen
Im Kern geht es um eine einzige Leitfrage, aufgeteilt in drei Zeithorizonte:
- Wie werde ich mich über diese Entscheidung in 10 Minuten fühlen?
- Wie werde ich mich in 10 Monaten fühlen?
- Wie werde ich mich in 10 Jahren fühlen?
Dabei kommt es auf die exakten Zeitabstände nicht an. Sie sind Platzhalter. Wichtig ist nur: ein kurzfristiger Blick, ein mittelfristiger und ein langfristiger. Je nach Entscheidung kann das auch „10 Minuten, 10 Tage, 10 Monate“ heißen oder „1 Stunde, 1 Woche, 1 Jahr“. Hauptsache, Du durchdenkst Dein Problem aus drei verschiedenen Distanzen.
Warum das funktioniert
Wir sind nur zu rund fünf Prozent rationale Wesen. Rund 95 Prozent aller Entscheidungen treffen wir unbewusst — gesteuert von Erfahrungen und Assoziationen, die sich über Jahre angesammelt haben. Das Bauchgefühl ist schnell und bei banalen Dingen oft passabel. Bei komplexen Fragen ohne eigene Erfahrungswerte führt es aber allzu oft zur Bauchlandung. Die 10-10-10-Methode zwingt Dich, mehr von dem evolutionär fortschrittlichen Hirnschmalz zu verwenden, das Du eigentlich hast. Einfach kurz innehalten und den Auswirkungen Deiner Entscheidung zu drei Zeitpunkten nachspüren. Fertig.
Ein konkretes Beispiel
Stell Dir vor, ein Headhunter kontaktiert Dich mit einem Traumjobangebot: top Bezahlung, genau Deine Lieblingstätigkeit, tolles Unternehmen, beruflicher Aufstieg. Der Haken: verbunden mit einem Umzug in eine andere Stadt.
Nach 10 Minuten: Karriereorientierte werden das Angebot annehmen und sich riesig freuen — gespannt, nervös, voller Vorfreude. Familienorientierte mit festen Wurzeln werden eher absagen, zunächst enttäuscht und unzufrieden, die Chance nicht genutzt zu haben.
Nach 10 Wochen: Du hast den alten Job gekündigt, suchst eine Wohnung in der neuen Stadt, nutzt die Veränderung zur Verbesserung. Der besser bezahlte Job gibt Dir die Mittel dazu. Du fühlst Dich zuversichtlich. Wer absagte, hat die Enttäuschung vielleicht als Ansporn genutzt — Weiterbildung, Gespräch mit dem Chef, neue Aufgaben aushandeln.
Nach 10 Monaten: Der neue Job und die neue Stadt sind genau richtig für Dich — oder Du nutzt ihn als Sprungbrett und suchst gezielt weiter. Die Zuhausegebliebenen haben das Beste aus der Situation gemacht: Die Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen hat sie aktiv an einer Verbesserung arbeiten lassen. Das tolle Jobangebot im Rücken gab im Gespräch mit dem Chef Rückenwind und Oberwasser.
Was die Methode wirklich leistet
Das Fazit ist größer als die Summe seiner Teile. Die 10-10-10-Methode hilft nicht nur, Folgen abzuschätzen. Sie schützt vor voreiligen Fehlentscheidungen und eröffnet neue Lösungen. Ihr größter Vorteil: Wir beschäftigen uns aktiv mit unseren ganz individuellen Zielen, Wünschen und Werten. Und nur wer aktiv wird, kann die Dinge zu seinen eigenen Gunsten beeinflussen.
Bezug zu den 8 Säulen
Im Kontext der 8 Säulen der Zufriedenheit fragt die Methode implizit, welche Säule langfristig gestärkt oder geschwächt wird. Ein Traumjob stärkt vielleicht die Bedeutung, schwächt aber die Familie und Freundschaft, wenn der Umzug die Wurzeln kappt. Genau diese Abwägung — kurzfristige Emotion gegen mittelfristige Konsequenz gegen langfristigen Wert — ist der Kern. Sie verbindet rationale Analyse mit der Leitfrage: Was würde die Liebe tun? Denn Liebe bedeutet hier Ehrlichkeit, Mut, Klarheit und langfristigen Wohl — für Dich und andere.
Extra-Tipp: Die Methode pimpen
Wer es weiter treiben will, kann die 10-10-10-Methode mit anderen Techniken kombinieren: der Walt-Disney-Methode für Perspektivenwechsel, der Kopfstandtechnik zum Umkehren des Problems oder der WOOP-Methode für die Umsetzung. Jedes Problem hat seine Lösung — man muss sie nur finden. Und manchmal reicht schon eine gute Frage in drei Zeitabständen.
Dein nächster Schritt
Nimm die nächste Entscheidung, die vor Dir liegt. Egal ob beruflich oder privat. Stell Dir die drei Fragen. Schreib die Antworten auf. Und dann entscheide — nicht aus dem Bauch heraus, sondern mit dem vollen Horizont. Viel Spaß dabei.
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